Sportunfall im Sportunterricht: Notruf richtig absetzen und bis zum Rettungsdienst helfen
Ein Sturz vom Reck, ein umgeknickter Fuß beim Basketball, ein Zusammenstoß beim Fangspiel: Im Sportunterricht passieren mehr Unfälle als in jedem anderen Fach. Wenn es ernst wird, zählt ein klarer Ablauf. Dieser Artikel zeigt, worauf es vor und beim Notruf ankommt und wie du die Zeit bis zum Rettungsdienst überbrückst.
1. Ruhe bewahren und die Klasse sichern
Brich die Übung sofort ab und verschaff dir einen Überblick. Die anderen Kinder setzen sich an einen festen Platz, zum Beispiel an die Hallenwand, mit etwas Abstand zum Verletzten. So hast du die Klasse im Blick, der Verletzte wird nicht von Zuschauern umringt, und niemand verletzt sich bei der Aufregung zusätzlich. Bitte zwei ruhige Kinder, beim Verletzten zu bleiben, und schick ein Kind los, um Hilfe zu holen: eine Kollegin aus der Nachbarhalle, das Sekretariat oder, wenn es ihn gibt, den Schulsanitätsdienst.
2. Ansprechen, anschauen, anfassen
Bevor du telefonierst, sammelst du in wenigen Sekunden die wichtigsten Informationen, so wie es in jedem Erste-Hilfe-Kurs gelehrt wird:
- Ansprechen: Ist das Kind ansprechbar und klar? Wo tut es weh, und wie stark? Was ist passiert?
- Anschauen: Gibt es sichtbare Verletzungen, eine Fehlstellung, eine Schwellung? Wie sieht das Gesicht aus, ängstlich oder schmerzverzerrt? Ist die Haut blass, gerötet oder bläulich?
- Anfassen: Fühlt sich die Haut an Hand oder Unterarm warm, kühl oder kaltschweißig an?
Blässe, kalter Schweiß und Unruhe sind Anzeichen für einen Schock. Solche Beobachtungen helfen der Leitstelle, das richtige Fahrzeug zu schicken, und gehören deshalb in den Notruf.
Wichtig: Reagiert das Kind nicht oder atmet es nicht normal, ruf sofort den Notruf und beginne mit der Wiederbelebung (siehe Abschnitt 5). Dann geht nichts vor.
3. Der Notruf 112 mit den W-Fragen
Die Notrufnummer 112 gilt in ganz Deutschland, in Österreich und der Schweiz und funktioniert von jedem Handy, auch ohne Guthaben. Am besten ruft die Person an, die beim Verletzten war, denn nur sie kann Rückfragen beantworten. Die Leitstelle fragt nach, aber diese Punkte solltest du parat haben:
- Wo ist es passiert? Schule, Adresse, Sporthalle und Stadt. Ein Handy landet nicht immer bei der Leitstelle vor Ort.
- Was ist passiert? Zum Beispiel ein Sturz vom Reck auf den Arm.
- Wie viele Verletzte gibt es?
- Welche Verletzungen oder Beschwerden siehst du? Schmerzen, Schwellung, Bewusstsein, Schockzeichen.
- Warten auf Rückfragen. Leg nicht auf, bis die Leitstelle das Gespräch beendet.
Nenn zu Beginn deinen Namen und die Schule. Telefoniert jemand anderes für dich, schreib die Angaben vorher auf einen Zettel, damit nichts verloren geht.
4. Ein Beispiel für den Notruf
„Hier ist Anna Beispiel, Sportlehrerin an der Lindenschule in Musterstadt. Ich melde einen Unfall im Sportunterricht. Eine zwölfjährige Schülerin ist vom Reck auf den rechten Arm gefallen. Sie kann den Arm nicht bewegen, der Unterarm ist geschwollen, sie hat starke Schmerzen. Sie ist blass, kaltschweißig und unruhig. Bitte fahren Sie nicht zum Haupteingang in der Schulstraße, sondern zur Sporthalle in der Parkstraße. Dort wartet ein Schüler mit gelber Jacke und weist Sie ein.“
Die Hinweise auf eine mögliche Fraktur und auf einen Schock zeigen der Leitstelle, dass ein Rettungswagen kommen sollte und nicht nur ein Krankentransport. Die Anfahrt zur Halle spart wertvolle Minuten, gerade wenn die Sporthalle nicht am Haupteingang liegt.
5. Bewusstlos und keine normale Atmung
Hier gilt die einfache Regel Prüfen – Rufen – Drücken: Prüfen, ob das Kind reagiert und normal atmet. Rufen: sofort die 112, am besten mit Lautsprecher, und jemanden den Defibrillator (AED) holen lassen, falls die Schule einen hat. Drücken: mit der Herzdruckmassage beginnen und nicht aufhören, bis der Rettungsdienst übernimmt. Die Leitstelle leitet dich am Telefon an. Die Empfehlungen zur Wiederbelebung, gerade bei Kindern, werden regelmäßig überarbeitet. Ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs ist deshalb durch keinen Artikel zu ersetzen.
6. Betreuen bis der Rettungsdienst kommt
Auch wer sich bei Erster Hilfe unsicher ist, kann das Wichtigste tun: beim Kind bleiben. Ruhig sprechen, erklären, was passiert, gegebenenfalls die Hand halten und vom Geschehen ablenken. Die Wirkung von Zuwendung wird oft unterschätzt, sie stabilisiert und überbrückt die Wartezeit.
- Vor Kälte schützen: Der Hallenboden kühlt aus. Eine Rettungsdecke oder eine Jacke unter und über den Verletzten legen.
- Nicht unnötig bewegen: Ein verletztes Bein oder einen verletzten Arm so lassen, wie es für das Kind am angenehmsten ist. Bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung gar nicht bewegen.
- Kühlen bei Prellungen und Verstauchungen: mit einem Kühlpack, nie direkt auf der Haut.
- Nichts zu essen oder zu trinken geben, falls eine Operation nötig wird.
7. Nach dem Unfall
- Eltern informieren: sofort, wenn das Kind ins Krankenhaus kommt. Bei kleineren Verletzungen spätestens zum Schulschluss.
- Dokumentieren: Jede Erste-Hilfe-Leistung gehört in das Verbandbuch oder den Meldeblock der Schule, auch wenn es nur ein Pflaster war.
- Unfallanzeige: In Deutschland sind Schülerinnen und Schüler im Unterricht gesetzlich unfallversichert. Muss ein Kind ärztlich behandelt werden, meldet die Schule den Unfall in der Regel innerhalb von drei Tagen an die Unfallkasse des Landes. Frag im Sekretariat nach dem Ablauf an deiner Schule.
- Nachbesprechen: Mit der Klasse kurz darüber sprechen, was passiert ist, gerade wenn es die Kinder erschreckt hat. Und für dich selbst: Gab es etwas an der Übung oder am Aufbau, das du ändern würdest?
8. Vorbereitet sein
- Notfallplan in der Halle: Adresse und Zufahrt der Sporthalle, Standort von Telefon, Erste-Hilfe-Kasten und Defibrillator, aushängen und im Handy speichern.
- Handy dabei: geladen und griffbereit, nicht im Lehrerzimmer.
- Erste-Hilfe-Kasten prüfen: Ist er vollständig, sind Kühlpacks und eine Rettungsdecke da?
- Fortbildung: Die meisten Länder verlangen von Sportlehrkräften einen regelmäßig aufgefrischten Erste-Hilfe-Nachweis. Nutz ihn, auch um die neuen Empfehlungen zur Wiederbelebung von Kindern kennenzulernen.
- Mit der Klasse üben: Wer holt Hilfe, wo setzen sich alle hin, wer weist den Rettungsdienst ein? Ein kurzer Probelauf am Schuljahresanfang nimmt im Ernstfall viel Unsicherheit.
Kurz zusammengefasst
- Übung abbrechen, Klasse an einen festen Platz, Hilfe holen lassen.
- Ansprechen, anschauen, anfassen: Bewusstsein, Schmerzen, Verletzungen, Haut.
- Nicht ansprechbar oder keine normale Atmung: sofort 112, dann drücken.
- Notruf 112: Wo, was, wie viele, welche Verletzungen, auf Rückfragen warten.
- Beim Kind bleiben, vor Kälte schützen, Rettungsdienst zur Halle lotsen.
- Eltern informieren, ins Verbandbuch eintragen, Unfallanzeige über die Schule.
Grundlage dieses Artikels ist unter anderem der Beitrag „Wenn rasche Hilfe Not tut“ von Thomas Bonnemeier, Lehrer, Rettungssanitäter und Ausbilder beim DRK. Der Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs.
Nach dem Unfall: der Test und die Note
In Sportnote markierst du ein verletztes Kind in einem Test mit einem Tipp als „Verletzt / krank“. Das Ergebnis zählt dann nicht in den Durchschnitt, und in der Klasse siehst du, wer den Test noch nachholen muss. Nachholtermine im Blick.
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